Das Lorenz von Ehren Symposium 2010: Mission Grün erfolgreich gestartet

Vendredi, 3. Septembre 2010 (All day)

Der Auftrag der Bundesbürger ist eindeutig: Eine repräsentative LvE-forsa-Umfrage ergab jetzt, dass hochwertige Grünflächen mehr zur Attraktivität einer Stadt beitragen als jeder andere Faktor. Um zu klären, wie eine grüne(re) Zukunft aussehen kann, hatte die Baumschule Lorenz von Ehren zu ihrem jährlichen Symposium unter der Überschrift "Mission Grün" hochkarätige Referenten eingeladen.

Faszinierten ihre Zuhörer bei LvE: (v.l.o.) Kai Diekmann, Patrick Cullina, Christopher Bradley-Hole, Andreas Kipar

Das 8. LvE-Symposium begann mit einer Überraschung: Nach der Begrüßung stellte Moderator Klaus Liedtke, ehemaliger Chefredakteur von National Geographic und Stern, zunächst die verblüffenden Ergebnisse einer forsa-Umfrage vor, die das renommierte Institut im Auftrag von Lorenz von Ehren durchgeführt hatte. Demnach machen für 91 Prozent der Befragten in erster Linie ansprechende Grünflächen die Attraktivität eines Wohnortes aus. Parks sind ihnen also deutlich wichtiger als ein vielseitiges Kultur- und Freizeitangebot. "Das hatte ich in dieser Form nicht erwartet", gestand Liedtke. 

Auch dies eine Überraschung: Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage gelten gleichermaßen für alle Alters- und Einkommensklassen. Arm oder Reich, Jung oder Alt - die Deutschen sind sich einig in der Forderung an die Politik nach einer besseren Pflege der bestehenden Grünanlagen. Aber auch neue Grünflächen sollten nach Meinung der Befragten erschlossen werden: Jeder Zweite würde zu diesem Zweck auch gerne ungewöhnliche Orte wie Dächer oder Industriebrachen umfunktionieren.

Die vollständigen Ergebnisse der LvE-forsa-Umfrage können Sie hier lesen.

Alle Freunde ungewöhnlicher Grünanlagen hätten vor allem am ersten Vortrag des Tages ihre helle Freude gehabt: Patrick Cullina stellte das spektakuläre Projekt "High Line" vor, das derzeit in New York City entsteht. Eine stillgelegte Hochbahnstrecke im südwestlichen Manhattan, auch als Meatpacking District bekannt, wird seit 2006 zu einem gigantischen Park auf Stahl-Stelzen umgewandelt. Der erste Bauabschnitt ist bereits fertiggestellt, der zweite soll im kommenden Frühling der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden.

Die anwesenden Fachvertreter erhielten reichlich Anregungen für eine grüne Zukunft

Wie zum Beweis der These, dass Grün mittlerweile mehrheitsfähig ist, gab sich anschließend als zweiter Redner der Chefredakteur von BILD, Deutschlands auflagenstärkster Tageszeitung die Ehre. "Vor Jahrzehnten schafften es Bäume nur dann in die Zeitung, wenn sie auf dem Mars standen", begann Kai Diekmann seinen kurzweiligen Vortrag, während heute ein Titel wie "Landlust" eine Auflage von 700.000 Exemplaren hat. Aber woher rührt der enorme Erfolg der grünen Titel und Themen? Hierin drücke sich eine Sehnsucht aus, sich um etwas kümmern und Teil von etwas sein zu können. Weil dieses Bedürfnis allgemein menschlich, aber in unserer Lebenswirklichkeit immer schwieriger zu befriedigen ist, betrachtet der BILD-Macher den Trend zur Natur als "nachhaltig".

Dass die "Mission Grün" nicht ohne missionarische Tätigkeit auskommt, zeigte der Landschaftsarchitekt Andreas Kipar nach der Pause, in der eine Fahrt durch die weitläufigen Baumschulquartiere auf dem Programm stand. Um sein bemerkenswertes Projekt "Luthergarten" möglich zu machen, war eine Menge Überzeugungsarbeit nötig. Worum geht es? Zum 500. Jahrestag der berühmten 95 Thesen im Jahr 2017 entsteht in der Lutherstadt Wittenberg ein "interaktives grünes Denkmal" aus 500 Bäumen. Ausgangspunkt der faszinierenden Idee war das Luther zugeschriebene Zitat, nach dem er am Tag vor dem jüngsten Gericht noch einen Apfelbaum pflanzen würde.

Den Schlusspunkt unter ein buntes Programm setzte der britische Landschaftsarchitekt und erfolgreiche Autor Christopher Bradley-Hole aus London. Sein Konzept des "Down To Earth" besticht durch einfache Formen und klare Linienführung. Nicht umsonst gibt der vielfach dekorierte Gartenplaner als Hauptinspirationsquelle die Gemälde von Piet Mondrian an. "Pflanzen ist wie Bilder malen", lautet dann auch sein Credo, aber auch Arbeit an der Landschaft, deren spezifischen Geist er wecken will.

Moderator Klaus Liedtke erklärte die "Mission Grün" in einem Schlussplädoyer zur "(Über-)Lebensaufgabe" und rief nicht nur die 300 anwesenden Landschaftsarchitekten, Garten- und Landschaftsbauer sowie Vertreter von Kommunen aus dem In- und Ausland auf: "Lasst uns Bäume pflanzen."

Bernhard von Ehren, Geschäftsführerer von Lorenz von Ehren, zeigte sich mit den Ergebnissen und den Resonanzen der Veranstaltung außerordentlich zufrieden: "Uns ist es wichtig, der Branche ein regelmäßiges Forum zu bieten, das Inspiration und Austausch ermöglicht. Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass die Wertschätzung grüner Areale, von Bäumen und Pflanzen im öffentlichen wie im privaten Raum beständig wächst. Unter diesen Vorzeichen kann die Branche der Zukunft optimistisch entgegen sehen", so der Gastgeber.